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Es gibt eine Vielzahl von Zahn- und Kieferfehlstellungen, die für Laien z.T. schwer voneinander zu unterscheiden sind. 1890 hat der amerikanische Kieferorthopäde Edward H. Angle erstmals eine systematische Einteilung der Zahnstellungen vorgenommen, die bis heute noch Gültigkeit hat.

Er hat den Idealbiss als Klasse I (Neutralbiss) und die davon abweichenden Formen als Klasse II (Distalbiss, Rückbiss) und Klasse III (Mesialbiss, Vorbiss) definiert. Die Klasse II wird zusätzlich unterteilt in Klasse II/ 1 und II/ 2- abhängig von der Position der Frontzähne.

Bei allen Formen können sowohl Ober (OK)- wie auch Unterkiefer (UK) oder beide zusammen die Fehlstellung verursachen.

Das Ziel einer KFO- Behandlung ist das Erreichen einer Zahnstellung, die dem Idealbiss möglichst nahe kommt, mit Hilfe der unterschiedlichen KFO- Apparaturen.


  • Klasse I (Neutralbiss) = Idealbiss

Bei der Klasse I stehen OK und UK korrekt zueinander, die Eckzähne und ersten Molaren (Stock-oder Mahlzähne) des Unterkiefers liegen vor den oberen, so dass die Zähne wie Zahnräder ineinandergreifen können.

Die oberen Frontzähne überdecken die unteren nur leicht, der Überbiss beträgt 2-3 mm.

Das Profil ist harmonisch und gerade.

   
Kurzfilm,
der den Idealbiss darstellt


  • Klasse II / 1 (Distalbiss mit vergrösserter Frontzahnstufe)

Bei der Klasse II/1 ist der UK (und die unteren Zähne) nach hinten verschoben und die oberen Zähne nach vorne gekippt, so dass sich eine Vergrösserung des Frontzahnabstandes oder der Frontzahnstufe ergibt ("Hasenzähne").

In der Seitenansicht fällt häufig die Rücklage des UK auf, die Oberlippe liegt deutlich vor der Unterlippe, das Profil ist nach hinten schief.
Oft wird zusätzlich die Unterlippe zwischen die Frontzähne gepresst, was den Abstand noch vergrössert.

   

  • Klasse II / 2 (Distalbiss mit Deckbiss)

Bei der Klasse II/ 2 liegt der Unterkiefer auch häufig zu weit hinten, jedoch sind im Gegensatz zur Klasse II/ 1die oberen Frontzähne nach hinten gekippt, so dass die Frontzahnstufe klein ist und die Patienten nicht stört.

Die oberen Frontzähne bedecken jedoch meist die unteren so stark, dass diese nicht mehr sichtbar sind. Man spricht dann von einem Deckbiss.

   

  • Klasse III (Mesialbiss)

Bei der Klasse III liegen die unteren Zähne weit vor den oberen. Ursache hierfür kann entweder ein zu weit vorstehender UK oder ein zu weit zurückstehender OK sein.

In der Seitenansicht fällt häufig ein stark vorstehender UK auf, das Profil ist nach vorne schief und das untere Gesichtsdrittel vergrössert.

   


Weitere, von vorne sichtbare Zahnfehlstellungen:

Engstand

Ein Engstand liegt vor, wenn zu wenig Platz für die Zähne im Kiefer vorhanden ist. Sichtbar ist er meistens an den Frontzähnen, die sich mit der Zeit übereinanderschieben.

   
Weitstand

Bei einem Weitstand sind deutliche Lücken zwischen den Frontzähnen sichtbar und die zweiten Zähne haben genügend Platz, um gerade durchbrechen zu können.

   
Tiefbiss

Bei einem tiefen Biss beissen die unteren Zähne ins Oberkieferzahnfleisch (Gaumen), die unteren Zähne können teilweise oder ganz von den oberen Zähnen bedeckt sein (Deckbiss).

   
Offener Biss

Bei einem offenen Biss kommen obere und untere Zähne nicht zusammen.

   
Seitlicher Kreuzbiss

Durch einen zu kleinen/ schmalen OK weicht der UK beim Zusammenbeissen zur Seite aus, um eine stabile Position zu suchen. Die UK- Mitte ist in diesem Beispiel nach links verschoben (immer aus Patientensicht betrachtet).

   
Frontaler Kreuzbiss

Bei diesem Kreuzbiss beisst der vordere linke Schneidezahn hinter die unteren Zähne. Kreuzbisse dieser Art sollten möglichst frühzeitig korrigiert werden.

 

Funktionell bedingte Zahnfehlstellungen und Habits

Funktionell bedingte Zahnfehlstellungen kommen durch eine Fehlfunktion der Zunge und umliegenden Weichteile (Lippen, Wangen) zustande- so dass die Kieferentwicklung negativ beeinflusst wird- und können mehrere Ursachen haben.

Zunge und Lippen üben von entgegengesetzter Seite einen Druck auf die Zähne aus. Ist der Druck der Zunge "von innen" stärker als derjenige der Lippen, werden die Zähne nach vorne/ aussen gedrückt, die Folge davon ist ein offener Biss (s. oben). Dies ist oft bei Mundatmern der Fall, die die Zunge nach vorne drücken, damit die Atemwege erweitert werden. Ist der Druck der Lippen "von aussen" stärker (hoher Lippentonus), werden die Zähne "nach innen" Richtung Zunge bewegt.

 

1. Falsches Schluckmuster

Beim normalen Schluckvorgang wird die Zunge gegen den Gaumen gepresst und die Zähne schliessen sich. Liegt ein falsches Schluckmuster vor, presst sich die Zunge zwischen die Kiefer und verursacht so mit der Zeit einen offenen Biss. Dieses Muster ist beim Säugling normal, sollte aber spätestens beim Durchbruch der bleibenden Zähne abgewöhnt werden.

 

2. Vergrösserte Tonsillen (Mandeln)


(aus "orthodontic diagnosis" v. Th. Rakosi, I. Jonas, Th. M. Graber)

Durch vergrösserte Tonsillen und enge Nasengänge wird die Zunge automatisch nach vorne gedrückt, damit besser geatmet werden kann. In diesem Falle sollte eine Abklärung beim Hals- Nasen- Ohrenarzt erfolgen.


Funktionell bedingte Zahnfehlstellungen und Myofunktionelle Störungen/ Dysfunktionen sollten auch mittels Logopädie angegangen werden, weil sehr häufig die KFO- Therapie alleine die Fehlfunktion nicht beseitigen kann. Ziel dieser spezifischen Therapien ist ein Umtrainieren der Zungenfunktion und –position, so dass Kinder mit falschem Schluckmuster die Zunge beim Schlucken nicht mehr zwischen die Zähne pressen.

Offener Biss durch Zungeneinlagerung / Zungenpressen (Zungendysfunktion)


Als Habits werden erworbene Gewohnheiten wie Schnuller (Nuggi)- oder Daumenlutschen bezeichnet. Diese Lutschgewohnheiten sind Bestandteil der natürlichen kindlichen Entwicklung, sollten aber spätestens nach Durchbruch der vorderen bleibenden Zähne unterbunden werden, weil sonst Verformungen der Kiefer- und Zahnbögen auftreten können.

Während Schnuller/ Nuggi eher zum offenen Biss führen und leichter abzugewöhnen sind, verursachen Daumen-und Fingerlutschhabits durch das Vorschieben der oberen und Rückschieben der unteren Frontzähne Zahnfehlstellungen im Sinne einer Klasse II/1, die dann meist kieferorthopädisch korrigiert werden müssen. Diese Habits sind aus verständlichen Gründen schwerer abzugewöhnen.

Durch Nuggi verursachter offener Biss bei einem 4-jährigen Kind (Milchgebiss).


Durch Daumen-/ Fingerlutschen verursachte Vergrösserung der Frontzahnstufe. Ist der Abstand erst einmal vergrössert, wird durch automatische Einlagerung der Unterlippe eine Spontankorrektur praktisch unmöglich.